Immer mehr Autorinnen und Autoren nutzen KI-Tools wie ChatGPT beim Schreiben ihrer Bücher. Doch wo liegen die Chancen und wo die Grenzen?
Künstliche Intelligenz (KI) – oder auf Englisch: Artificial Intelligence (AI) – nimmt immer mehr Raum im Leben der Menschen ein. Die Entwicklung von KI-Tools schreitet rasant voran und mittlerweile hat jedes größere Tech-Unternehmen wie Microsoft (Copilot), Google (Gemini), Amazon (Alexa plus) oder Apple (Intelligence) eine eigene KI entwickelt, die in die jeweilige Software und die Portale eingebunden ist. KI unterstützt uns in unserem Alltag, liefert uns in Echtzeit Informationen oder dient schlicht der Unterhaltung. KI kann verblüffend echte Bilder und Videos generieren oder selbige bearbeiten und sie hilft uns, jede Art von Texten zu generieren.
ChatGPT – das beliebteste KI-Tool
Das am weitesten verbreitete KI-Tool ist ChatGPT von OpenAI. ChatGPT hat 2022 zu einem regelrechten KI-Boom geführt, der bis heute anhält. ChatGPT ist ein KI-gestützter Sprachassistent, den man mit Text und Sprache bedienen und der auf demselben Wege antworten kann. Dabei lernt die KI ständig dazu, bezieht Informationen aus verschiedenen Datenbanken und kann dieses Wissen, auch Trainingsdaten genannt, in Echtzeit abrufen. Aber ChatGPT liefert nicht nur Informationen, sondern übernimmt auch Tätigkeiten, die für uns Menschen früher sehr aufwendig waren. Zum Beispiel unterstützt ChatGPT Programmierer bei ihrer Arbeit, kann eigene Programme schreiben, Texte übersetzen, Texte analysieren und strukturieren. Darüber hinaus verfügt ChatGPT über immenses Fachwissen in verschiedenen Bereichen, sei es bei Rechtsfragen oder medizinischen Informationen oder in anderen akademischen Bereichen.
Eine andere sehr beliebte Funktion, die KI-Tools übernehmen können, ist die Bildgenerierung. Mittlerweile ist ChatGPT mit Unterstützung des Bildgenerators DALL-E in der Lage, alle möglichen Bildmotive zu generieren. Es können sogar echte Menschen bildlich dargestellt und in alle möglichen Szenarien eingebunden werden.
Google Gemini – die Suchmaschinen-KI von Google
Auch die KI von Google erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Sie ist mittlerweile stark in die Google-Suche eingebunden, sodass der User eine herkömmliche Suche im Internet mit Funktionen der KI verbinden kann. Man kann zum Beispiel nach einem Suchbegriff suchen und gezielte Nachfragen zu den Suchergebnissen stellen. Das macht Google Gemini äußerst praxistauglich und für viele Anwender ungemein nützlich. Gemini gibt es auch als eigenständige App auf dem PC oder Smartphone.
Microsoft Copilot – die KI, die in Word integriert ist
Auch die KI von Microsoft kann für Anwender gewinnbringend sein, besonders wenn man seine Bücher über Microsoft Word verfasst. Allerdings ist Copilot nicht uneingeschränkt kostenlos nutzbar. Wenn man das Tool intensiv nutzt, stößt man bald an seine Grenzen und ohne ein kostenpflichtiges Abo geht es meist nicht weiter. Dennoch empfinden viele Nutzer die Integrität von Copilot in Word als sehr anwenderfreundlich, da man alles in Word selbst nutzen kann.
KI im Verlagswesen
KI findet wie in vielen kommerziellen Bereichen auch im Verlagswesen umfassend statt. Auch der Rediroma-Verlag hat verschiedene KI-Tools in seine Arbeitsabläufe eingebunden. Vor allem in der Aufgabenautomatisierung sind KI-gestützte Arbeitsschritte mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Arbeitsprozesse, die früher manuell von Menschen vorgenommen werden mussten, kann nun eine KI selbst durchführen.
Es gibt auch kreative Arbeiten, die Verlage immer öfter von KI durchführen lassen. Bei der Generierung von Coverbildern können KI-Tools eine gute und wichtige Rolle spielen. Auch Promo- oder Klappentexte können von KI verfasst werden. Doch hier ist auch Vorsicht angeraten. Denn die Künstliche Intelligenz kann einen Menschen noch nicht zu 100% ersetzen und wird es vielleicht nie können. Künstlerische Arbeiten durch einen Menschen haben nach wie vor einen größeren Wert, da KI noch immer sehr schematisch arbeitet und man die Arbeit eines KI-Tools immer als solche erkennt. Vor allem bei Texten wird dies immer wieder deutlich. Darauf gehen wir im nächsten Abschnitt näher ein.
KI als Unterstützung zum Schreiben eines Buches – Chancen und Gefahren
Das Verfassen eines Buches ist oft eine Mammutaufgabe, die sehr viel Vorbereitung, Ausdauer und Kreativität erfordert. Es dauert oft Jahre, ein Buch zu schreiben, und manchmal dauert es noch einmal genauso lang, das Werk zu korrigieren, zu überarbeiten und zu verbessern. Was liegt da näher, als eine KI als Hilfe heranzuziehen?
Was kann eine KI beim Schreiben eines Buches leisten?
KI-Tools sind sehr gut darin, Informationen zu liefern und zu strukturieren. Das heißt, für gezielte Recherche kann eine KI eine sehr gute Hilfe sein. Man sollte zwar die gelieferten Informationen nicht ungeprüft übernehmen, aber oft sind die Rechercheergebnisse einer KI verblüffend fundiert. Eine Autorin oder ein Autor könnte Übersichten zu erstellen oder Zusammenhänge abzufragen, um sich als Autor nicht zu verzetteln. Auch bei umfangreichen Buchreihen mit mehreren Bänden könnte eine KI Informationen über vorherige Bücher aus der Reihe liefern, die der Autor in einem späteren Buch wieder aufgreifen könnte. ChatGPT kann in kürzester Zeit ganze Manuskripte einlesen und verfügt dann über alle Informationen, die benötigt werden. Auch umfangreiches Fachwissen kann ChatGPT oder Google Gemini in kürzester Zeit bereitstellen. Dieser Umstand ist eine große Chance für viele Autorinnen und Autoren, die früher eine aufwendige Recherche betreiben mussten. Aber es ist auch Vorsicht geboten: Künstliche Intelligenzen sind darauf getrimmt, den Anwender zufriedenzustellen. Das heißt, die KI gibt lieber eine falsche Antwort, als zuzugeben, dass sie die Antwort nicht weiß. Man nennt dies auch halluzinieren. Man sollte also jede Information, die man von ChatGPT bekommt, sorgfältig prüfen, bevor man sie ins Buch aufnimmt.
Zudem ist der Datenschutz bei KI-Tools immer ein Thema. Wenn Sie Ihr Buch bei ChatGPT hochladen, wird es auf einem Server gespeichert. Das Buch könnte auch als Trainingsdaten weiterverarbeitet werden. Man verliert als Rechteinhaber dann ein Stück weit die Kontrolle über das eigene Werk, weil man nicht weiß, was weiter damit geschieht.
Noch einmal die Vorteile auf einen Blick
- Blitz-Recherche: Schneller Zugriff auf Fachwissen aller Art
- Logikcheck: ChatGPT liest komplexe Manuskripte ein und prüft Handlungsstränge
- Serien-Brücke: Die KI behält Details aus vorherigen Bänden im Kopf
Fehler, die viele Autorinnen und Autoren beim Schreiben eines Buches mit KI machen
Trotz der großen Chancen und Möglichkeiten, die eine KI bietet, sollten Autorinnen und Autoren vorsichtig bei der Anwendung sein. Wir als Verlag erhalten sehr viele Manuskripte, die umfassend durch eine KI bearbeitet wurden. Das Problem dabei ist, dass man den Einfluss von KI-Tools sehr schnell bemerkt. ChatGPT und andere Modelle arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten, d.h., nach jedem Wort prüft die KI, welches nächste Wort am wahrscheinlichsten ist. Das macht der Formulierungen der KI schematisch und vorhersehbar. Texte, die durch Künstliche Intelligenz verfasst oder bearbeitet wurden, haben immer eine bestimmte Struktur: oft sehr kurze Sätze, sehr viele Gedankenstriche, sehr viele Satzstrukturen, die immer wiederkehren, die sich immer wieder wiederholen. KI-Tools wie ChatGPT stellen gerne Gegensätze oder Widersprüche nebeneinander (Kontrastsätze). Oft in Verbindung mit der Konjunktion „sondern" oder „aber":
„Eine Stille, die nicht geräuschlos war, sondern laut."
„Nicht wie ein Suchender, sondern wie ein Wartender."
„Das Warten war nicht zermürbend – es war zeitlos."
„Er sprach wenig – aber wenn, dann sagte er viel."
Dies sind typische Satzkonstruktionen, die von KI immer wieder so gebildet werden. Wir bekommen als Verlag ständig ganze Bücher, die fast nur aus solchen Sätzen bestehen. Zusätzlich setzt eine KI wie ChatGPT extrem viele Absätze. Manchmal entstehen dabei auch falsche Zeilenumbrüche, sodass Sätze in der Mitte abgeschnitten werden. ChatGPT bildet oft keine komplexen Satzstrukturen. Meist sind es kurze Hauptsätze, isolierte Kurzsätze oder nur ein bis drei Wörter, die zusammen einen Satz bilden sollen. Oft sind es keine richtigen Sätze. Der Schreibstil ist sehr einfach, rhetorisch gleichförmig und hat immer denselben Rhythmus.
„Aber er war da. Immer wieder."
„Etwas lag im Gras. Eine Schatulle – alt, aber gepflegt."
„Nun saß er in seinem Wohnzimmer. Froh. Glücklich."
Selbst in Belletristik-Texten versucht eine KI wie ChatGPT immer wieder, Aufzählungszeichen zu verwenden. Oft weiß ChatGPT nicht, dass es unterhaltende Literatur verfassen soll, und möchte stattdessen ein Sachbuch schreiben. Der Schreibstil ist in allen Büchern, die von einer KI verfasst wurden, nahezu gleich. Die Texte ähneln sich extrem und weisen keine Individualität auf. Wenn Sie mithilfe einer KI ein Buch verfassen möchten, müssen Sie sich darüber im Klaren sein, dass Ihr Buch in einem millionenfach kopierten Schreibstil geschrieben ist. Sie können selbstverständlich Ihre eigenen inhaltlichen Ideen einbringen, aber wenn eine KI das Buch dann selbst formuliert, wird man es als Leser immer merken.
Moralische Bedenken bei Textgenerierung
Zusätzlich zu der im letzten Abschnitt angesprochenen sprachlichen Limitiertheit von KI-Tools sollte man die moralische Komponente nicht außer Acht lassen. Eine KI wie ChatGPT nutzt sogenannte Trainingsdaten beim Generieren von Texten. Diese Trainingsdaten können aus urheberrechtlich geschützten Werken anderer Autoren bezogen worden sein. Das heißt, wenn Sie Ihr Buch über eine KI generieren lassen, kann es gut sein, dass dort Textbausteine aus anderen Büchern auftauchen. Vor allem wenn Sie die KI kreativ eigenständig arbeiten lassen, bedient sich diese eventuell bei Ideen anderer Autorinnen und Autoren. In der EU ist dieses sogenannte Text- und Data-Mining von KIs derzeit noch erlaubt. Ob es so bleibt, ist aber fraglich.
Sie sollten sich auf jeden Fall fragen: Möchte ich ein eigenes Buch mit eigenen Ideen und eigenem Schreibstil oder soll eine Künstliche Intelligenz auf Basis von Trainingsdaten mein Buch zusammenbauen?Â
Korrektur oder Lektorat eines Buches durch KI
Ähnlich ist es, wenn man ein Buch über ChatGPT oder eine andere KI korrigieren lässt. Oft begnügt sich eine KI nicht damit, einfach nur Fehler zu korrigieren, sondern versucht, wieder die eigenen Satzstrukturen einzubringen. Plötzlich hat ein Text Unmengen von Gedankenstrichen. Ein KI-Lektorat kann auch kein Lektorat durch einen Menschen ersetzen. Oft arbeiten Künstliche Intelligenzen beim Korrigieren erstaunlich schlampig, kennen einfachste Kommaregeln nicht oder übersehen Fehler. Wenn man dies im Chat mit einer KI anmerkt, entschuldigt sich die KI und macht es daraufhin direkt wieder falsch.
Gerade weil KI-Tools dazu neigen, einfache Sätze zu bilden, haben sie oft Probleme, Fehler in komplizierteren Satzstrukturen zu erkennen. Wir hatten schon oft den Fall, dass bei uns eingereichte Bücher die typischen Strukturen eines KI-Textes aufwiesen. Auf Nachfrage teilte man uns mit, dass die Autorin oder der Autor das Buch nur durch ChatGPT hat korrigieren lassen. Dabei ist aber praktisch das komplette Buch neu geschrieben worden.
Ein anderes Problem jenseits der formalen Fehleranfälligkeit sind die inhaltlichen Aspekte eines Lektorats. Ein Lektor beurteilt nicht nur die Form, also Rechtschreib-, Grammatik- und Zeichenfehler, sondern auch den Inhalt eines Buches. Ist ein Buch logisch aufgebaut? Ist die Autorin oder der Autor in der Lage, Spannungsbögen zu erzeugen? Ist die Handlung plausibel? Kann die Autorin oder der Autor flüssig erzählen? Ist der Schreibstil fesselnd oder interessant? Dies sind Dinge, die ein Mensch besser beurteilen kann als eine Künstliche Intelligenz. KI-Tools neigen dazu, eher bestätigend zu reagieren und Schwächen nicht konsequent genug herauszuarbeiten. Sie wird versuchen, Sie zu loben und zufriedenzustellen, sprich: Sie glücklich zu machen. Künstliche Intelligenzen sind also für ein Lektorat nur bedingt geeignet, denn oft muss ein Autor auch unangenehme Urteile hören, wenn sich an seinem Buch etwas verbessern soll.
Buch schreiben mit Künstlicher Intelligenz – Fazit
Eine KI kann für Sie als Autorin oder als Autor ein wertvoller Helfer sein, wenn man sie richtig nutzt. Nutzen Sie KI zur Recherche, holen Sie sich schnelle Infos, die Sie aus anderen Quellen, wie etwa einer anderen KI oder einer herkömmlichen Google-Suche, absichern können. Strukturieren Sie die Handlung Ihres Buches mithilfe einer KI, erstellen Sie Übersichten, um sich die Arbeit zu erleichtern.
Was Sie aber nicht tun sollten, ist, sich die kreative Arbeit von einer KI abnehmen zu lassen. Formulieren Sie Ihr Buch selbst. Lassen Sie die Handlung nicht von einer KI entwerfen und lassen Sie Ihr Buch nicht durch eine KI lektorieren.
Vergessen Sie nicht: Es ist immer noch Ihr Buch. Jede Schriftstellerin und jeder Schriftsteller hat einen eigenen Stil. Eine Künstliche Intelligenz hat ebenfalls einen Schreibstil, aber dieser ist nicht individuell und er ist nicht Ihr eigener Stil. Bleiben Sie kreativ und authentisch.
Wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie uns jederzeit an. Wir beraten Sie gerne zum Thema Künstliche Intelligenz und wie diese Ihr Projekt weiterbringen oder wie man sie nicht nutzen sollte.
Buch veröffentlichen beim Rediroma-Verlag
Der Rediroma-Verlag ist außerdem jederzeit gerne bei Fragen rund um die Buchveröffentlichung für Sie da. Übersenden Sie uns gerne Ihr Manuskript zur kostenlosen Prüfung. Wir freuen uns auf Ihr Projekt.




